Reso-Rohre

Reso-Rohre oder auch Resonanzauspuffe kommen zum Zwecke der Leistungssteigerung ausschließlich bei Zweitaktmotoren zur Anwendung. Bei einem Viertaktmotor benötigt man eigentlich nur ein zylindrisches Auspuffrohr entsprechender Größe.
Aber nun mal der Reihe nach.
Der Auspuff allgemein bestimmt Leistung und Lärm eines Motors erheblich mit. Was bewirkt nun das Reso-Rohr? Durch die Arbeitsweise(Spülung der Gase) eines Zweitaktmotors ist es möglich. die angesaugte Kraftstoffmenge über den Auspuff zu beeinflussen. Der erste dünne zylindrische Teil, der sich am Auslaß des Motors anschließt und der Diffusor bewirken einen Unterdruck am Auslaßkanal und "saugen" regelrecht aus dem Kurbelgehäuse oder sogar dem Vergaser (bei Membran- steuerungen) Frischgas an. Damit steht mehr Gas für die Verbrennung zur Verfügung und die Leistung steigt. Diese Methode wurde schon zeitig in der Motorradrenntechnik angewandt. Der eigentliche Clou gelang dem Motorradwerk Zschopau (MZ) um den Chefingenieur Walter Kaaden. Sie entwickelten als erstes den Resonanzauspuff, wie er heute an allen Hochleistungszweitaktern Gang und Gebe ist. Das Geniale daran war der sog. Gegenkonus. Man entdeckte, daß der Diffusor bei bestimmten Drehzahlen sogar Frischgas in den Auspuff saugte. Dieses Frischgas entwich ungenutzt ins Freie. Der Gegenkonus reflektiert den Druckimplus im Auspuff und drückt Frischgas aus dem Auspuffrohr sogar wieder hinein. Das bewirkt wiederum eine Druckerhöhung im Verbrennungsraum und führt somit zu einer erheblichen Leistungssteigerung. Wenn man diese Geschichte noch genauer betrachten wollte, müßte man Implusverlauf und Gasstrom betrachten. Das würde hier aber zu weit führen. Das Schlimme ist aber, daß das Ganze nur bei bestimmten Drehzahlen des Motors effektiv funktioniert. Ein langer Auspuff ist besonders für Leistungssteigerung im niedrigen Drehzahlbereich geeignet, ein kurzer für hohe Drehzahl. Also funktioniert ein Resorohr nur in einem bestimmten Drehzahlbereich effektiv. Man muß also wissen was man will. Ein Beispiel zum Thema Länge eines Reso-Rohres.
Mit Motorradmotoren haben wir selbst viel experimeniert. Ein Motor bracht bei seiner Drehzahlgrenze von etwa 8500 U/min mit einem Resonanzauspuff auf dem Prüfstand etwa 21 PS. Nachdem wir den Auspuff etwa 10% verlängert hatten, sankt die Drehzahlgrenze auf etwa 8000 U/min und die Leistung stieg aber auf 29 PS.
Was soll uns dieses Beispiel zeigen. Die Funktionsweise ist sehr einfach, die Anwendung und Abstimmung in der Praxis doch sehr komplex. Deshalb können Resorohre z:B. für Motoren von 10 bis 15 cm³ aller Marken nie optimal funktionieren. Jeder Teil des Auspuffs, jede Länge, jeder Durchmeser und jeder Konuswinkel bestimmen die Leistungsentfaltung nachhaltig. Das bedeutet auch, daß ein optimal abgestimmtes Resorohr eines 10 cm³ Motors an einem anderen 10 cm³ Motor funktionieren kann - aber nicht muß. Deshalb gibt es auch Firmen die für Motorräder noch bessere Auspuffe von Jahr zu Jahr entwickeln. Sonst würde man ja die alten Auspuffmaße einfach übernehmen. Selbst lackierte Auspuffe können die Leistung mindern. Oder habt Ihr schon einmal an einer 125 cm³ Straßenrennmaschine in der WM ein lackierten Auspuff gesehen. Denn der Lack kann erwünschte Schwingungen in Auspuff dämpfen.
Wer das anzweifelt, braucht doch nur mal sein Resorohr um einige Zentimeter zu verkürzen oder verlängern und schaut was passiert.